Impulsreferat des Vorsitzenden der LAG Warbel-Recknitztal auf dem 4. Regionalforum der Region Rostock Marketing Initiative in Güstrow

"Eine Region mit Visionen - Natur pur - lieber aktiv als passiv"

Als sich im November 2001 der Regionalverbund "Warbel-Recknitztal" nach einem Prozess von fast 1,5 Jahren aus 3 Landkreisen, 5 Ämtern und 3 Städten, (Städte Ribnitz-Damgarten, Marlow, Tessin und die Ämter Ahrenshagen, Bad Sülze, Tessin-Land, Gnoien und Jördenstorf und in der Vorbereitung der Beitritt der Stadt Laage) zusammenschloss und der Begleitung der drei Landräte gewiss war, entsprach man so dem von der EU gewollten Qualitätssprung für die Bewerbung bei der GI LEADER plus.

Es war ein Zusammenschluss...

unabhängig von Verwaltungsgrenzen und weg von administrativen Grenzen irgendwelcher Ämter aus drei Landkreisen und zwei verschiedenen Planungsregionen. Die Region orientiert sich an kulturhistorischen und geographischen Grenzen und ist somit einzigartig in Mecklenburg-Vorpommern.

So stellt sich die Situation...

in der Region durchweg problematischer dar als im Durchschnitt des jeweiligen Landkreises - ein wichtiger Grund, warum sich die Kommunen zu einer gemeinsamen Entwicklung der Region bekannt und per Urkunde verpflichtet haben. Die Grundlage für die Bewerbung für das EU Förderprogramm war die Erstellung eines Regionalen Entwicklungskonzeptes.

Es lag nahe...

die Regionalentwicklung unter das Thema "Valorisierung des natürlichen und kulturellen Potenzials einschließlich der Steigerung des Wertes von Flächen im gemeinschaftlichen Interesse, die unter Natura 2000 ausgewählt wurden" zu stellen. Mit dem vorliegenden Konzept sollte dieser "Negativ-Definition" der Region ein positives Leitbild gegenübergestellt und Wege aufgezeigt werden, endogene Potentiale für eine nachhaltige Entwicklung zu erschließen.

Das REK...

dient somit der Konkretisierung und schrittweisen Umsetzung der im Europäischen Raumentwicklungskonzept formulierten Leitbilder, politischen Ziele und Optionen. Die Aufnahme in das Leaderplus Landesprogramm stellt dabei ein wichtiges Etappenziel für die Entwicklung der Region Warbel-Recknitztal dar.

Die im Rahmen von Leaderplus...

entwickelten Lösungsansätze sollen auf andere Regionen übertragbar sein. Dies setzt voraus, dass mit der Strategie auf Voraussetzungen - Probleme Bezug genommen werden muss, die auch in anderen Regionen vorherrschen.
Diese Vergleichbarkeit kann nicht im Detail bestehen, sollte jedoch deutlich  über solche, für fast alle ländlichen Regionen zutreffenden "Allgemeinaussagen" wie geringe Bevölkerungsdichte oder viel Natur etc. hinausgehen. Die für die Region Warbel-Recknitztal entwickelte Strategie basiert auf der Binnenlage der Region zwischen den Tourismushochburgen Fischland Darß - Zingst im Norden sowie der Mecklenburgischen Schweiz / Müritz Nationalpark im Süden sowie der Einrahmung der Region von wirtschaftlich besser dastehenden Räumen und Ballungsgebieten, u. a. dem Oberzentrum Rostock.

Auf der einen Seite...

touristische Schwerpunktbereiche mit - in der Regel - saisonalen Überlastungserscheinungen. Meist führt in diesen Bereichen der übermäßige Besucherverkehr bereits zu einer Gefährdung von Natur und Kultur.

Auf der anderen Seite ländliche Gebiete in unmittelbarer Nähe der Schwerpunktbereiche, die häufig nur zum Transit dienen, mit ihren natürlichen und kulturellen Potenzialen jedoch das touristische Angebot bereichern, damit zur Entflechtung der Besucherströme beitragen und an den ökonomischen Effekten des Reiseverkehrs partizipieren können. Diese Voraussetzungen gilt es zunehmend für touristische Aktivitäten verschiedenster Art und mit Blick auf unterschiedliche Ziel- und Interessengruppen tiefer zu erschließen und auch zu nutzen. Wir schützen und entwickeln die Attraktivität unserer Landschaft, da wir wissen, dass diese unser wichtigstes Kapital darstellt.

Hierzu wollen wir insbesondere:

Einen naturnahen Charakter unserer Gewässer und Auen erhalten oder wieder herstellen und die Flüsse vor einer Übernutzung bewahren.

Durch Pflege und Pflanzung von Alleen, Feldgehölzen und sonstigen Biotopen großflächig monotone Landwirtschaftsflächen sowohl für die einheimische Tier- und Pflanzenwelt als auch für das menschliche Erleben strukturieren.

Die historischen Gebäude, wie Schlösser, Gutshäuser, Kirchen, Bauernhöfe und Windmühlen in einem attraktiven Zustand erhalten bzw. denkmalgerecht sanieren und nutzen sowie möglichst für die Öffentlichkeit zugänglich machen.

Die Parkanlagen und Gärten im Umfeld der Historischen Gebäude derart herrichten, dass sie als Repräsentationsflächen und als Veranstaltungsorte dienen können.

Die in Vergessenheit geratene kulturhistorische Werte der Region werden im Zuge der regionalen Entwicklung aufgegriffen und neu in Szene gesetzt.

Sie dienen nicht nur der Ausarbeitung von attraktiven Angeboten für Besucher und Einheimische sondern wirken darüber hinaus identitätsstiftend. Nach innen wie außen kann die Region auf diese Weise ein positives Image entwickeln.

Nun glaube keiner, dieser Prozess sei abgeschlossen, die regionale Identität bei allen Akteuren vollzogen und die Zielvorstellungen bei allen gleich.

Unser Ansatz bei allen Projekten war stets- Projekte müssen von unten nach oben wachsen und müssen die Übertragbarkeit auf alle Regionen stets gewährleisten - keine punktuelle Entwicklung sondern nachhaltig in allen Regionen.

Dies zu begreifen fällt schwer und bringt besonders bei Akteuren eine immer wieder gehörte Argumentation:

 

wenn ich meine Idee, meine Vorstellungen kundtue, nimmt mir dann nicht ein anderer diese weg?

oder

wenn ich mich in eine Arbeitsgruppe einbringe, muss ich dann das für mich interessante Ergebnis dem Projektträger abkaufen?

Und was zur Zeit ein Hemmnis darstellt - uns laufen die Akteure weg, verziehen sich unter dem Motto: Wir können ja doch nichts bewegen.

Hier hebe ich besonders hervor: Der Regionalentwicklungsprozess lebt von Akteuren mit Vorbildwirkung, vom Beispiel des eigenen Erlebens der Akteure, wie Förderung schnell und unkompliziert umgesetzt werden kann.

Das nach wie vor vorhandene Kirchturmdenken, das Desinteresse an Vernetzung und Suchen gemeinsamer Verknüpfungspunkte mit anderen hat nachteilige Auswirkungen auf den Regionalentwicklungsprozess.

 

Quelle:

http://www.warbel-recknitztal.de/index.php?page=21&datei=2004_03_22_082622.txt